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Name:
Sigi Lewandowski


Geburtsdatum:

12.02.1950 – ein Sonntagskind


Familienstand/Kinder:
verheiratet, 1 Sohn

Wohnort:
D-77716 Haslach-Schnellingen
 
Sigi Lewandowski
Aufgabe in der Zeller Fasend/Narrenzunft:
Pressewart/Schdädtligeischt, seit 1976 im Narrenrat, seit 1966 in der FG Lohgass


Erste Erinnerung an die Zeller Fasend:

„Mit den Eltern war ich 1954 beim Großen Narrentreffen in Zell. Von einem Bändele hab’ ich eine Brezel geschenkt bekommen
– tja, und die war wohl infiziert…“


Ich mach Fasend in Zell weil...

„… irgendwie ALLE daran beteiligt und spürbar mit HERZBLUT dabei sind,
wenn man von gewissen Fasend-Touristen einmal absieht.


Warum sollte man unbedingt in Zell die Fasend erleben?

„Wil m’r sie sunsch nienewo onderscht so erläbe konn – un ich bin schu viel rumkumme!“


Schönstes Erlebnis an der Zeller Fasend?

„Wir waren als Schnurrantengruppe ’Aldi Wäschwieber vum Bach’ unterwegs… das war sooo schöön! Es gibt ansonsten kein ’schönstes Erlebnis’, denn die Fasend in Zell ist für mich eine Aneinanderreihung vieler einzigartiger Erlebnisse.“


Ich wünsche mir für die Zeller Fasend:

„… dass das Urtümliche, Authentische, was  unsere Fasend ausmacht, kommenden Generationen unverfälscht überliefert wird.“


Sigi Lewandowski ist mehrfach ausgezeichneter freischaffender Kabarettist, Satiriker, „Filou“-soph und promovierter Lebenskünstler. Dieser Beschreibung zufolge ist es nicht verwunderlich, dass er schon seit Jahren als Schriftsteller tätig (bislang 8 Bücher veröffentlicht) und neben seiner Tätigkeit als Autor auch Inhaber des EigenSinn-Verlages ist.

Nach dem sensationellen Erfolg seines Buches „Wie ä Rossbolle uf´m Donzbode“ steht nun (im Herbst) die Veröffentlichung seines neuen Werkes „Wenn’s om Hirnschmalz fehlt…“ an – ein Buch mit weiteren deftig-frechen Geschichten aus dem Badischen.

Aus diesem Grund haben wir uns mit Sigi getroffen und ihn auf seinem Schwarzwaldhof hoch über dem Kinzigtal in der Stube interviewt.


Sigi, Du schreibst über badische Originale… auch über unsymbadische?

„Ich schreibe hauptsächlich über symbadische. Über unsymbadische lohnt sich nicht zu schreiben, dafür ist das Leben zu kurz. Ich sage immer: Die Welt ist voller Arschlöcher. Da muss man sich die paar netten Leute, die man kennt, unbedingt warmhalten.

Warum schreibst Du als „Nordlicht“ viele Geschichten auf badisch?
"Das stimmt so nicht. Die meisten sind immer noch hochdeutsch geschrieben, aber der ’Clou’, das Aha-Erlebnis am Schluss, das ist dann oft badisch-urwüchsig.
Im Badischen kann man viele Dinge einfach bildhafter sagen. Auch sind viele Ausdrücke versöhnlicher. Zum Beispiel heißt es im Norddeutschen‚ eine  Frau habe einen ’Schlach’ gekriegt. Im Badischen heißt das jedoch, ’sie het ä Schlägli g’ho’. Das ist nicht so endgültig, da steckt immer noch Hoffnung aufs Gesundwerden drin.

Toll finde ich auch die Bezeichnung ’Labbeduddel’. Im Norddeutschen wäre das ein ’antriebsloser Mensch’. Aber einen ’Labbeduddel’, dieses konturenlose, schlabberige Individuum sehe ich förmlich vor mir, wie es so gar nichts auf die Reihe kriegt.
Noch schöner der Ausdruck: ’Ich kennt grad uf de Sau furt’. So etwas kann man sich halt vorstellen, da wird dem inneren Auge was geboten. Sage ich hingegen im Norddeutschen: ’Ich bekomme gleich eine Wut!’, dann heißt das zwar dasselbe, ist aber viel farbloser.

Oder aber das berühmte ’Hirnschmalz’, das auch im Titel meines neuen Buches vorkommt.
Der Badener stellt sich offensichtlich vor, dass das Hirn ein mechanisches Präzisionsinstrument sei, und um es gangbar zu halten, bedarf es eben einer mehr oder weniger großen Menge an Hirnschmalz. Und sicherlich denken die Badener, wenn der liebe Gott das Hirnschmalz verteilt hat, mieße d’ Schwobe uf jede Fall weniger devu abkriägt ho.
" 

Die Badener unterscheidet von den „Nordlichtern“…
„… dass sie viel spontaner, herzlicher und oft auch ehrlicher sind. Es dauert lange, bis man akzeptiert wird, aber wenn es dann soweit ist, dann bleibt es dabei.
Sagt der Badener ’moch nid bled!’, dann ist das eine Aufforderung, die wohl von Zeit zu Zeit nötig ist, mit sich selbst wieder mal ins Gericht zu gehen. Im Norden wäre das vermutlich eine mittelschwere Beleidigung.

Ich will als Badener wiedergeboren werden, weil…
„Nee, nee, das will ich gar nicht. Ich will nicht als Badener, sondern ich will in Baden wiedergeboren werden. Meine Herkunft will ich nicht verleugnen, das wäre unredlich, und im Übrigen hat der Norden auch seine Vorteile. Zum Beispiel gab’s dort schon längst die christliche Seefahrt (Hanse), da ist man in Baden (oder war’s im Schwäbischen?) noch mit dem Einbaum auf dem Baggersee… aber ich will das jetzt nicht ausbreiten…“

Sigi, was ist für Dich eine „badische Droge“?
„Es gibt für mich 3 badische Drogen. Sie fangen alle mit ’F’ an und enden mit ’asend´.

Gibt es jemanden, der immer wieder für erzählbaren Nachschub sorgt? Oder hast Du jemanden „unter Beobachtung“… und Du wartest nur darauf, bis er ins „Fettnäpfchen“ tritt?
„Die Herren Kapuziner sorgen ja  immer wieder für Stoff – das muss an ihrem unvergleichlichen Verhältnis zu ihren Schäfchen liegen. Leider ist das in jüngster Zeit eher zum Heulen als zum Lachen. Tja, wenn’s halt om Hirnschmalz fehlt…
Aber es gibt so viele andere Originale, man muss nur mit offenen Augen und vor allem mit offenen Ohren durchs Leben gehen.
Von jenen Originalen hört man dann vieles und denkt sich im nächsten Moment: Weiß der eigentlich, was’r grad g’schwätzt het? Oder hat er vielleicht nur geredet, damit er hörte, was er dachte??
Aber bei allem ist es so, dass ich niemanden vorführen will. Es soll immer allen zur Freud’ und keinem zum Leid sein. Jeder soll sagen können, jawohl, ich hab den Unsinn gemacht, ich steh’ dazu – und nett hat er’s auch noch geschrieben.

Meine Arbeit ist eine Art Weiterführung dessen, was der Schdädtligeischt am Zunftabend vorträgt.

In einem Buch kann man viel weiter ausholen, viel mehr die Hintergründe beleuchten. Auf der Bühne geht das nicht.
Außerdem ist es eine Art Geschichtsschreibung, denn lebendige Geschichte besteht nicht aus Jahreszahlen sondern wird von Menschen gemacht. Ich will einfach auch gegen das Vergessen anschreiben.

Wurdest Du schon mal von jemandem angesprochen… der sich in der einen oder anderen Geschichte wiedererkannt hat?
„Ich werde sogar sehr häufig darauf angesprochen, aber bisher nie im negativen Sinn. Außerdem freuen sich die Leute, wenn sie in einer Geschichte vorkommen, und diese Freude ist ja Sinn der Sache. Der ’Rossbolle’ wurde insgesamt sehr positiv aufgenommen, und das hat mich zu einem neuen Band ermutigt.

Wann würdest Du aufhören zu schreiben?
(lacht) „Wenn mir im zarten Alter von 107 mehrfach hintereinander das Ächteleglas  entgleiten sollte…“

Sigi, was sind Deine nächsten Projekte?
Ich arbeite parallel zu dem Buch ’Wenn’s om Hirnschmalz fehlt…’ an einem Band mit Krimi-Kurzgeschichten, die zum Teil in unserer Region spielen.

Was nur wenige wissen: In den 80ern wurden jahrelang viele meiner Kurz-Krimis in Illustrierten und Frauenzeitschriften unter Pseudonym veröffentlicht.

Auch ein anderes Projekt steht bereits in Umrissen fest: Ich werde ein Kochbuch mit ganz speziellen Rezepten herausgeben. Aber nicht zum dreihundertachtundvierzigsten Mal, wie man einen Schmorbraten zubereitet. Es werden Rezepte sein, die so noch nie (!) veröffentlicht wurden. Hinterher wird man sagen: ’Dass der sich so ebbis traut het…’ Aber ich hab’s ja schon immer mit Wilhelm Busch gehalten, der da sagt: Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich’s völlig ungeniert! Mehr verrate ich nicht!
Der gesamte Reinerlös dieses Kochbuches wird einer Organisation zugute kommen, die sich u. a. um minderjährige Schwangere kümmert.
Seitdem die katholische Kirche aus der Schwangeren-Beratung ausgestiegen ist, muss man, dies ist meine Überzeugung, ein Zeichen setzen und denen helfen, die, man verzeihe mir diesen Ausdruck, sprichwörtlich mit dem Arsch an der Wand stehen, weil sie auf Grund ihrer sozialen Lage nicht mehr ein noch aus wissen. Ich will auf jeden Fall nicht tatenlos zuschauen …“

Sigi, vielen Dank für das Interview und super Erfolg mit dem neuen Buch!
„Ebenfalls danke!“